Die News der Woche war für uns die Ankündigung von Bethesda, offiziell keine frühzeitigen Review-Muster von Spielen an die klassische Spielepresse mehr zu versenden. Quelle: https://bethesda.net/en/article/42QH1pTNpKSYIcgKK2C4wW/bethesda-and-game-reviews

Beginnend mit Skyrim und Dishonored 2 wird es also so sein, dass vor dem Release der jeweiligen Spiele des Publishers keine unabhängigen Reviews (mit oder ohne Wertungen) mehr erscheinen werden. Anders dagegen wird mit YouTubern verfahren. Ausgesuchte Influencer werden auch weiterhin vorab exklusiven Zugriff zu den Spielen von Bethesda erhalten. Zusammen mit dem Spielejournalisten Dennis Kogel (Radio Fritz, freier Journalist bei GameStar und Co) reden wir darüber, wie wir diese Veränderung im Umgang mit der Presse einschätzen und einordnen – und was dies für die Zukunft und aktuelle Situation der Spielepresse bedeutet.

Hinweis: Das ist der Teaser zur Folge. Die vollständige Folge steht unseren Unterstützern auf Patreon zur Verfügung. Dort finden diese dann auch einen speziellen RSS-Feed, mit dem die exklusiven Samstags- und Sonntags-Folgen bequem im Podcatcher oder in iTunes abonniert werden können. Alle Informationen über unsere Kampagne findet ihr unter www.patreon.com/insertmoin

Hier das angesprochene Gamecheker-Video von Dennis zu dem Thema:

 

  • Alliser

    @.Warum die neue Generation an Spielekäufern nicht auf möglichst kritischen Spielejournallismus, sondern auf YouTube-Unterhaltung stehen:

    Ist nicht auch der Unterschied ein “Missverständnis” zw. Eigenwahrnehmung des Spielejournallisten und der Außenwahrnehmung derselben Person das Problem, inkl. der Darstellung für den Kunden/den Hörer/den Leser? Zu meinen PowerPlay-Zeiten (ab Mitte 92) waren die Personen, die das Heft gemacht haben, mehr “gute Freunde, die das gleiche Hobby wie ich” und “den besten Job der Welt” haben, in dem sie tagein, tagaus Spiele spielen. Ich weiß nicht, ob die damalige Schreiber-Generation (z.B. Michael Hengst, Knut Gollert, Volker Weitz) sich eigentlich ebenfalls als Spielejournallisten bezeichnet haben. Ist diese Berufsbezeichnung nicht gefühlt erst in den letzten Jahren mit dem Medienwandel in der Spielepresse, problematischen Umständen und einer neuen, ggf. notwendigen Eigendefinition aufgetaucht?

    Worauf ich hinaus will ist letztlich: Die damaligen Schreiber waren für mich als Leser keine Spielejournalisten, sie waren befreundete Fremde, die in ihrer Eigendarstellung mir gegenüber auch eher nahe und vertraut, als fern und unnahbar waren. Sie hatten Vornamen, es gab Interaktion und spätestens durch die beiliegenden CDs und redaktionseigene Unterhaltungsinhalte (Die Redaktion, Multimedia-Leserbriefe, kommentierte Videos) wurden diese Personen selbst Teil des Unterhaltungsproduktes Heft und Spielbericht. Durch die zunehmende CD-Digtalisierung der 2000er war zudem der persönliche Aufbau zw. Leser und Schreiber noch intensiver geworden, denn auf einmal hört man deren Stimme, sieht sie in mal mehr, mal weniger guten Unterhaltungsredaktionsheimvideos. Die Schreiber/Redakteure/Spielejournallisten waren der große und entscheidende Teil des Vertrauensverhältnisses zw. hier und dort und das Spiel war letztlich nur der Aufhänger. Das Redaktionsprodukt selbst war eine weit größere Unterhaltungsbasis für mich, als die jeweiligen Spiele, denn ich hatte nie die Möglichkeit, so viele Spiele zu spielen/zu kaufen, als das mir das Heft und deren Inhalte Unterhaltung gegeben haben.

    Das ist aktuell mit den Podcasts, z.B. Insert Moin, nicht anders: Ihr seid für mich ein in erster Linie und vorwiegend ein Unterhaltungsprodukt, wo vertrauenswürdige und zum größten Teil arg sympathische Menschen über ein Thema reden, was ich zu 99 % niemals in die Hände bekommen werde, um damit Zeit zu verbringen. Ihr und das Ergebnis eurer Arbeit seid also, wie damals die Hefte, die Hauptunterhaltung und die besprochenen Spiele sind nur der Aufhänger.

    Durch den Medienwandel gibt es aber die Generationsspalte, dass sich der Nachwuchs natürlich lieber mit den direkteren und von vornherein auf (noch) direkterer Unterhaltung ausgelegten Kontakt via YouTube aufnimmt, anstatt die alten Medienplattformen der Eltern aufzusuchen. Wenn ich also damals mit den PowerPlay-Leuten ein eindeutiges Vertrauensverhältnis hatte, und ich diese auch nicht als vollkommen fremde “Journallisten” ansehen konnte, dann ist es durchaus nachvollziehbar, dass die neuen Generationen den gleichen Vertrauensaufbau bei anderen Medien- und Unterhaltungsproduzenten suchen, die u.U. auch per Eigendefinition gar keine Journallisten sein wollen. Dieses einseitig vom Kunden investierte Vertrauen wird ntl. nicht zwingend hinterfragt, sondern diese Vertrauensbasis wird ntl. verteidigt. An die Grabenkämpfe zw. den Anhängern der verschiedenen Hefte (und ihre dortigen Vertrauensleute als zur Identifikation geeignete Person) sei hierbei erinnert.

    Kurzum: Vielleicht ist das Hinzuziehen von eurer Arbeit bzw. euch selbst als eigenständiges Unterhaltungsprodukt ein weiteres Puzzle-Teil für die Definition des problematischen, aktuell stattfindenden Medienwandels.

    • UncleHo74

      Das ist überhaupt ein Punkt, der viel zu wenig beachtet wird.. die damalige Generation der “Schreiber” waren doch gar keine Journalisten im herkömmlichen Sinne.. oder haben die sich selber explizit so betrachtet? Ich jedenfalls damals (lang ist es her..) nicht.

      Das waren doch oft Quereinsteiger in diesen damals rückblickend “chaotischen” Tagen… heute würde man wohl sagen dass diese frisch gegründeten Redaktionen fast schon sowas wie “Startups” waren… bemannt von Leuten mit teilweise ganz anderen beruflichen Hintergrund. Nur hat von Startups damals noch keiner geredet.

      Ich glaube, meine Wenigkeit und diejenigen um mich herum die damals PowerPlay und Co. gelesen haben, haben sich kaum um sowas wie “journalistische Integrität” oder “Grundsätze” oder ein “Leitbild” geschert. Wir wollten nur Leute die uns symphatisch waren und deren Geschmack so ungefähr mit unserem übereinstimmte, so dass man das Gefühl hatte man konnte auf die Reviews was geben.

      Wir waren halt jung. ;)

      Das soll nicht heissen dass die damals nicht hart gearbeitet haben und gute Sachen auf die Beine stellen wollten (und das auch gemacht haben), aber der gegenseitige Anspruch zwischen Schreiber und Konsumenten war halt nicht sooo hoch… zumindest verglichen mit dem später zunehmend “verkopften”, professionellen Anspruch.

  • kris

    Nach anhören des Podcasts kam mir der Gedanke, das Spiele wohl zu billig sind um auf einen Test vertrauen zu müssen. Hab das Gefühl, das früher vergleichweise mehr mit Entscheidungen gehadert wurde.

    Wenn aber heute sowieso das Spiel beim Steam-Sale nach einer Woche günstiger bekomme oder ein Spiel beim Release grad soviel kostet wie sechs grosse Bier; wozu dann vergleichen und abwägen.

  • Valentin

    Ich denke, das Verständnisproblem liegt auch darin begründet, dass die Käufer teils missverstanden werden. Wenn man sich überlegt ein Spiel zu kaufen und 60€ dafür ausgeben will, dann will man in dieser Entscheidung entweder komplett bestätigt oder absolut davon abgebracht werden, da will man gar keine Nuancen. (Es wird immer vom ‘Schönreden’ in früheren Zeiten gesprochen, wenn man viel Geld für ein Spiel ausgegeben hat. Das hat sich nicht geändert, nur dass es heute bereits vorm Kauf passiert – siehe auch alles zum Thema ‘Hype’.) Ein Test wiederum sagt einem in etwa: Das und das ist top, das und das nicht so. Wenn man aber 60€ ausgibt, will man allerdings möglichst ein Spiel ohne Schwächen, wenn auch nur subjektiv.

    Um das zu erläutern mal ein Beispiel: Man hat Bock auf ein Action-Adventure. Assassin’s Creed fand man toll. Dann erfährt man von Shadow of Mordor und erkennt euphorisiert, dass das in eine ähnliche Kerbe schlägt. Das letzte, das einen interessiert, ist dann die schlechte Story. Man will wissen, ob man Spaß hat oder nicht. Sobald man auch nur einen Kritikpunkt hört, geistert der ständig im Hinterkopf rum und man überlegt, ob das Spiel die 60€ noch immer wert ist/war. Die wollte man ja eigentlich für ein Spiel OHNE Schwächen ausgeben – selbst wenn das nur subjektiv der Fall ist. Am Beispiel von Mordor: Einem selbst wäre vielleicht nie aufgefallen, dass die Geschichte nicht so Bombe ist, weil das Gesamtpaket so begeistert. Aber dadurch, dass es die ‘professionelle Instanz’ konstatiert hat, beeinträchtigt es die Spielerfahrung evtl. selbst während des Spielens noch. Man sieht die Zwischensequenz und anstatt freudig das Spiel zu erleben, ‘fürchtet’ man die ganze Zeit, dass jetzt schon die schlechte Story anfängt. Man hinterfrägt und bewertet immerfort die Kaufentscheidung.

    Deshalb wollen die Leute die Steam-Reviews, deshalb wollen die Leute nur die Wertungen am Ende der Tests. Sie wollen hören, was alles geil ist und sich zur Kaufentscheidung bringen oder eben absolut davon abbringen lassen. Ein Kauf ist ein Extremum, ja oder nein. Deshalb will man auch bei einem Test nur ein Extremum. Wenn man sich in der Vorfreude auf den Kauf dann Material zur ‘Information’ wie einen Test ansieht, will man dabei nur noch weiter bestätigt werden und die Freude auffrecht erhalten bzw. hochtreiben lassen.

    P.S. Daraus kann man vielleicht auch ableiten, inwiefern ‘objektiver’ Spielejournalismus bei einem Medium, das von subjektiver Rezeption abhängig ist, sinnvoll ist. Siehe dafür auch teils die anderen Kommentare.

Insert Moin © 2015