Skyshine’s Bedlam ist ein prügelhartes Spiel. Ein »Ödland-Überlebens-Simulator« mit knappen Ressourcen in einem Land voller dick bewaffneter Gegner und unzähligen, tödlichen Hindernissen. Würde man das Spiel mit anderen vergleichen, wäre es die perfekte Mischung aus FTL und The Banner Saga.

Da trifft es sich gut, dass wir über zweiteres auch mit unserem heutigen Gast bereits gesprochen haben: Heiko Klinge, Chefredakteur der GameStar ist zu Gast und erklärt Manu, warum er trotz des hohen Schwierigkeitsgrads nicht aufhören kann, in BEDLAM zu scheitern.

  • Spoiler und potentieller Motivationskiller ahead. Im Zweifelsfall nicht lesen. ^^

    Ich bin ebenfalls ein Kickstarter Backer und hatte mich sehr auf das Spiel gefreut, war aber dann Maßlos vom Ergebnis enttäuscht und kann auch euer Fazit so gar nicht nachvollziehen.

    Das Hauptproblem habt ihr hier überhaupt nicht angesprochen: Das Ressourcen-Management von Bedlam ist kein Stück gebalanced. Ihr habt zwar erwähnt, dass es Öl und Food gibt, aber eben nicht, dass es im Grunde komplett sinnlos ist. Diese beiden Ressourcen haben das ganze Spiel über keinen Nutzen. Ausgehen können die dir im Grunde nicht. Wenn sie dir ausgehen sollten – dann hast du etwas falsch gemacht und könntest das Spiel aufgrund der fehlenden Energie ohnehin nicht schaffen. Food und Öl sind damit vollkommen hinfällig.

    Nun hast du die Energie. Als erstes steckst du alles in deinen Dozer. Nach 1-2h (von 4h Gesamtspielzeit) des Spiels hast du alles auf Maximum (will heissen ein paar Prozentwerte maximiert, denn mehr machen die Upgrades ja eh nicht).

    Danach verwendest du die nur noch für Spezialfähigkeiten.

    Und dort gibt es im Grunde zwei Spielweisen:

    1.Ich habe gar keine Ressourcen verwendet auf dem Weg zu Aztec City, und dann in den Bosskämpfen alles. Im Endeffekt machst du dort deine Charaktere jede Runde Schadensimmun bis der Boss tot ist. Taktik in den Bosskämpfen gibt es nur bedingt.

    2. Alternativ nimmst du, sobald du eine fette Waffe hast, immer nur noch 3 Leute in den Kampf, so dass du die doppelten Ressourcen erhältst. Du schießt einmal auf die Gegner, gewinnst und machst mehr gewinn als du investiert hast. Gleichzeitig steigen dabei deine Charaktere wie verrückt, da die Kills dazu für den angewählten Charakter zählen. Damit hast du dann auch Charaktere, die mit wenigen Schüssen dann den Boss töten.

    Neben den Ressourcen hast du dann eben noch deine Charaktere. Und im Endeffekt besteht das Spiel dann auch nur aus den Komponenten: Deine Charaktere leveln auf, und du erhältst mehr Energie. Aber das „geniale Gesamtkonstrukt“, das Manu erwähnt hat, gibt es hier nicht. Denn während zB FTL viele kleine Mechaniken, wie Sauerstoff, Kampf der Besatzung, Unterschiedliche Waffensysteme mit einen Ressourcen, Drohnen, Hacking, Stealth usw, usw. hat, die alle nahezu perfekt ineinander greifen, hat Bedlam davon nichts. Charaktere und Energie. Sonst nichts. Und daher hat das Spiel auch keinen wirklichen Wiederspielwert. Abgesehen von den paar anderen Dozern, mit denen ich zwar noch nicht gespielt habe, die aber das prinzipielle Konzept gar nicht signifikant ändern können.

    Andere Makel:

    Entscheidungen: Die Entscheidungen sind sehr mäßig. Anders als bei FTL, wo es oft RiskReward gibt, und man mit Speziellen Systemen und Crew Mitgliedern eine Sonderoption hat, gibt es in Bedlam in über 2/3 der Fälle eine „gute“ Entscheidung die zum Kampf führt (und den will man ja für die Ressourcen) und eine schlechte Option wo man weiterfährt. Wirkliche Problemsituationen wie mit der Infektion hat man verhältnismäßig selten.

    Schwierigkeitsgrad:

    Der Einfache Schwierigkeitsgrad ist wie erwähnt beschnitten, da man die Endkämpfe nicht machen kann und nichts freischalten kann. Es macht im Grunde gar keinen Sinn auf einfach zu spielen.

    Der Schwere Schwierigkeitsgrad verkrüppelt den Spieler indem er wichtige Interface Elemente wie Hitpoints der Feinde und der eigenen Einheiten ausblendet. Wer will denn bitte so spielen? Da kann man auch einen Shooter ohne Fadenkreuz spielen.

    Bleibt also der einzige „spielbare“ Schwierigkeistgrad „normal“ noch über. Und weiss man einmal, dass man genügend Energie für den Endkampf benötigt (in Aztec City ist übrigend ein Savepoint, so dass man von dort aus immer wieder neu starten kann), dann rauscht man auch entsprechend durch.

    Als wirklich Schwer würde ich das auch nicht bezeichnen. Ich bin bei meinen ersten Gehversuchen bereits bis zum Endboss vorgedrungen, wo dann das Spiel gecrashed ist. Den hätte ich nicht geschafft, weil ich zu wenig Energie hatte, wovon ich ja zuvor nichts wusste. Mit der Energie wäre das aber dann auch einfach gewesen. Und das waren die ersten Gehversuche. Ich habe eine Gesamtspielzeit von satten 4 Stunden! Und wer es nicht glauben will – Vorteilhaft ist, wenn man alles aufzeichnet ^^
    https://www.youtube.com/watch?v=maUYyRTBsdI&index=1&list=PLNU8jxMn6ejr–yZJmks_GAlkeRFxlLoh

    Ich würde damit als Fazit behaupten, dass das Spiel von vorn bis hinten unbalanced ist. Es gibt weder einzelne Spielelemente die in sich besonders gut funktionieren, noch funktionieren diese Spielelemente gut zusammen. Das Spiel bietet kaum einen Wiederspielwert (eben weil es kaum unterschiedliche „Einzelteile“ gibt), ist teilweise unfair (durch die Zufalls-Startpositionen) und hat damit meines erachtens aktuell jedenfalls keine Empfehlung und erst Recht keine Wertung von 78 (gamestar) verdient.

    Vielleicht verdient es mit dem nächsten Patch auf eine Wertung im 70er Bereich, wenn einige Kratzer ausgebessert wurden. An ein Invisible Inc oder FTL wird Bedlam aber nur herankommen, wenn man sämtliche Spiel-Elemente von Grundauf neu designed.

    Und vorher würde ich das Spiel auch niemandem empfehlen.

    • NightmareCC

      Ok nachdem ich deine wirklich ausführliche Beurteilung zu dem Spiel gelesen habe, bin ich dann nicht mehr so überzeugt von dem Titel.
      Der Podcast hat mir den Eindruck vermittelt, dass das Spiel in die Ecke X-COM zu stecken ist.
      Damit wäre es für mich eigentlich sehr interessant gewesen.

      Habe leider aktuell nicht wirklich Zeit mir dein Video anzuschauen, aber das was ich gesehen habe überzeugt mich leider auch nicht so ganz.
      Denke ich werde die Finger von dem Spiel lassen und mir lieber FTL zulegen.
      Das habe ich bisher nämlich noch nicht angezockt :).

      Vielen Dank für deine Bewertung.

      • Gerne! Mit FTL anzufangen ist jedenfalls eine sehr gute Entscheidung. Und wenn man dann ein ähnliches Spielprinzip mit anderen Mechaniken wünscht, dann ist Invisible Inc. (nicht Stealth Inc) auch noch zu empfehlen. Das reicht zwar schon nicht mehr ganz an die Qualitäten eines FTL heran, beleuchtet dafür aber das Spielprinzip von einer anderen Perspektive und stellt den Spieler vor anderen Arten von Entscheidungen.

      • NightmareCC

        Super vielen Dank! Invisible Inc. sieht auch sehr interessant aus.

      • Also an XCOM kommt es auf gar keinen Fall ran, da gebe ich Kordanor absolut recht.

      • An FTL, XCom hatte ich nicht erwähnt. :D

    • „(in Aztec City ist übrigend ein Savepoint)“

      wie? was?

      • Das Spiel sollte ja normalerweise alles speichern, was man so treibt. Das passiert aber nach Aztec City nicht mehr. Du musst also alle Bosskämpfe in einer Session durchspielen. Was auch bedeutet, dass du den Spielstand gezielt zurücksetzen können dürftest. Als das ganze bei mir im 4. Endkampf gecrashed war, stand ich wieder hinten in Aztec City und konnte es von dort aus erneut versuchen.
        Ich habs selber nicht genau getestet, aber so stellt sich mir zumindest aktuell die Situation dar. Ein Steam Beitrag eines anderen Spielers zum Thema: http://steamcommunity.com/app/367600/discussions/1/517142253875133355/#c517142253875154863

    • dreisterKerl

      Ich bin auch selbst Backer und empfinde das 100% gleich wie Du. Eine große Enttäuschung.
      Habe Bedlam bisher 11 Stunden gespielt, konnte immer noch keinen Dozer
      freischalten – habe aber auch wenig Hoffnung das es dadurch in irgend
      einer Weise besser wird.
      Die Grafik und das Design sind an dem Spiel
      einfach genial – aber das Spielkonzept und die Mechaniken einfach
      absolut nicht durchdacht …

      Ich warte jetzt erst mal ein paar
      Monate ab – vllt. bessert sich durch die Patches ja nochmal was, so das
      es dann mehr Spaß macht.

      • Manuspielt

        Bin sehr überrascht und erstaunt, wie unterschiedlich ihr beide das Spiel wahrnehmt… Danke für euer Feedback und eure Sichtweise. Ich bin noch total begeistert und kann es nicht ganz nachvollziehen.Vielleicht kommt das noch, werde berichten!

  • Christian

    Ich würde dieses Spiel ja wirklich gerne genau wie FTL auf dem Ipad spielen!

  • Dennis

    Ich hatte das Spiel in Steam gesehen, aber war nicht überzeugt dafür 20 Euro auszugeben. Nach dem Podcast dachte ich mir, okay dann warte ich doch nicht auf einen Sale. Bislang hab ich zwar nur eine Stunde gespielt, aber ich hoffe sehr es passiert noch etwas, was das gesamte Spiel von Grund auf ändert und mir die Augen öffnet. Bislang fühlt es sich an, als hätte es sich aus den schlechtesten Elementen der besten Spiele bedient, einfach eine riesige Enttäuschung. 20 Euro für diesen Mutanten (erinnert mich ein bisschen an die Adventure Time Folge, wo der Eiskönig aus den verschiedenen Prinzessinnen ein hässliches Monster baut) ausgegeben, ich Vollidiot.

    Aber wer weiß, ich versuch es nächstes Wochenende nochmal, vielleicht war es nur ein schlechter Einstieg oder so.

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